Eritrea

Zeitungsbericht vom 16.06.2001

Ein Kamel wächst ins Klassenzimmer
Projekttage in Bergfelden: Grundschüler lernen das afrikanische Land Eritrea kennen

BERGFELDEN (pub). In einem Klassenzimmer der Bergfelder Grundschule steht ein knapp zweieinhalb Meter großes Kamel. Schüler haben es aus einem Holzgerüst, Zeitungspapier und Kleister gebaut. In Projekten geht es um das afrikanische Land Eritrea. Auf dem Schulhof in Bergfelden stehen Wassereimer, deren Henkel überflüssig sind. Die Schüler tragen sie auf dem Kopf, wie es die Frauen in Eritrea mit Krügen und anderen Lasten tun. Zwischen Kopf und Eimer liegt ein Stoff-Reif, den die Kinder gebastelt haben. Rutscht ein Eimer, so ist die Dusche an einem warmen Tag erfrischend. Die Schüler haben ihren Spaß.

Binjam Negash trägt das Wasser auf dem Kopf, ohne mit der Hand haltend einzugreifen. Sein Vater stammt aus Eritrea, der Viertklässler lernt Tigrinja. Das ist die Sprache, die in Eritrea die meisten Einwohner sprechen lange nicht alle. Neun Bevölkerungsgruppen gibt es in dem Land, das immer wieder von Äthiopien angegriffen wird. Untereinander leben die Volksstämme friedlich, wie die Bergfelder Grundschullehrer herausgefunden haben. Informationen über Eritrea zu bekommen, sei schwierig gewesen, sagt Schulleiter Dieter Seitz. Die Lehrerinnen und Lehrer mussten recherchieren, um sich in verschiedene Sachgebiete einarbeiten zu können. Binjam Negash half mit, wo er konnte. Von seinem jüngeren Bruder Nerajo stammt die Idee dieser Projekttage. Nach der Aktion "Hilfe für Schulen im Kosovo" im vergangenen Jahr hatte er gesagt: "Es gibt doch noch andere arme Länder." Auszüge aus Binjams Lesebuch hat Dieter Seitz in eine Computer-Simulation über Eritrea eingearbeitet. Die Schüler können Worte und Sätze in Tigrinja per Kopfhörer anhören und nachsprechen. Der Computer bietet eine Landkarte, zeigt Tiere und andere Bilder. Mit dem Lernprogramm möchte sich die Schule in eine landesweite Multimedia-Offensive einbringen.

Die Projekttage sind Klassen übergreifend. Immer vier Schüler verschiedenen Alters bilden eine Gruppe. Drei Tage lang hatten die mehr als 80 Kinder Zeit, um sich in die Lernund Bastelangebote zu vertiefen. Sie malen eritreische Buchstaben, flechten Körbe, tanzen, machen thematisch passende Puzzles und sie bauen kleine Tonhütten mit Grasdächern. In einem Video lernen die Schüler das Land kennen, sehen die Armut. Und sie hören von einem Mädchen, das zwei Stunden lang zur Schule laufen muss. Würde es diesen Fußweg nicht auf sich nehmen, würde es wie viele Kinder in Eritrea nichts lernen können.

Was anfangs mit einer Märchenstunde und einem szenischen Spiel gemeinsam begann, endete an einem Tag in einem eritreischen Mittagessen vor der Grundschule. Es gab Ingera, eine Art Pfannkuchen aus Mais- und Weizenmehl. Eine Soße, wie sie die Bergfelder Grundschüler dazu aßen, können sich in Eritrea viele nicht leisten. Dort ist Ingera Frühstück, Mittag- und Abendessen zugleich. Zu acht saßen die Schüler um große Teller und aßen mit den Händen, wie es in Eritrea üblich ist.

INFO: Die Ergebnisse der Eritrea-Projekttage zeigt die Grundschule heute Nachmittag von 14 bis 17 Uhr bei einem Tag der offenen Tür. Der Erlös geht an eine Schule in Eritrea.


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